Die Hyposensibilisierung, die auch als spezifische Immuntherapie oder Allergenimmuntherapie bezeichnet wird, stellt den Eckpfeiler der Allergiebehandlung dar.
Als perfekte Ergänzung der medikamentösen Behandlung der Symptome ist sie
die einzige präventive und kurative Behandlungsmethode für allergische Erkrankungen (sie verhindert das Auftreten der Allergie oder kann diese sogar heilen). Dadurch lässt sich eine Verschlimmerung der Allergie, wie zum Beispiel die Entwicklung einer allergischen Rhinitis zu Asthma (siehe Symptome), sowie eine Neusensibilisierung (Auftreten von Allergien gegen andere Substanzen oder Mehrfachsensibilisierung) vermeiden.
Die Wirkung der Hyposensibilisierung besteht darin, dass sie die Empfindlichkeit des Körpers gegen das Allergen reduziert: Indem sie die Immunantwort gegenüber diesem Allergen zunehmend abschwächt, verhindert die Hyposensibilisierung das Auftreten einer allergischen Reaktion.
Zur Geschichte
Die Wirkungen der Hyposensibilisierung wurden Anfang des 20. Jahrhunderts durch den Arzt und Biologen Alexandre Besredka (1870-1940) nachgewiesen.
Dieser Forscher am Institut Pasteur rief bei einem vorher sensibilisierten (das heißt potenziell allergischen) Meerschweinchen eine Toleranz gegen die Injektion eines Pferdeserums hervor. Er verabreichte wiederholt nicht tödliche Dosen dieses Serums, um das Auftreten einer allergischen Reaktion zu verhindern. Diese Methode, die den Namen ihres Erfinders trägt («Besredka-Methode»), legte den Grundstein für die älteste bekannte kurative Behandlung der Allergie.
Die lange Zeit nur auf Erfahrung beruhende Hyposensibilisierung war in den letzten Jahren Gegenstand zahlreicher kontrollierter wissenschaftlicher Studien mit dem Ziel, ihre Wirksamkeit zu belegen und einen genauen Anwendungsrahmen zu bestimmen.
Höhepunkt dieser Entwicklung war die 1998 erfolgte Anerkennung des therapeutischen Nutzens der Hyposensibilisierung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In diesem Positionspapier der WHO, das auf dem Konsens renommierter internationaler Experten beruht, werden die Regeln der « guten Praxis » der spezifischen Immuntherapie im Hinblick auf die Anwendungsgebiete und Behandlungsmodalitäten dargelegt