Hyposensibilisierung / Praktische Hinweise

Wie läuft eine Hyposensibilisierung ab?

Nur der Allergologe bzw. der allergologisch erfahrene Arzt sollte eine ärztliche Verordnung ausstellen und die Behandlung durchführen, da für die Hyposensibilisierung gute Kenntnisse über Allergie erforderlich sind. Die Behandlung dauert längere Zeit (3 bis 5 Jahre) und besteht aus mehreren Schritten.


Die Allergenextrakte können über zwei Verabreichungswege gegeben werden:

 - als subkutane Injektion (das heißt direkt unter die Haut gespritzt)

 - als sublinguale Therapie (unter die Zunge dosierte Tropfen)

 
Der Allergologe verordnet langsam steigende Dosen desjenigen Allergens, das sich für die allergischen Erscheinungen als verantwortlich herausgestellt hat, damit der Körper sich daran gewöhnt und nicht mehr (bzw. schwächer) darauf reagiert. Diese Behandlung läuft in 2 aufeinanderfolgenden Phasen ab:

 - Steigerungsphase, in der die Allergendosis allmählich gesteigert wird

 - Erhaltungsphase, in der die maximal verträgliche Dosis über längere Zeit verabreicht wird.

 

 

Für wen kommt die Hyposensibilisierung in Frage?

Damit eine Immuntherapie erfolgreich ist, muss der Allergologe einige allgemeine Kriterien berücksichtigen, damit eine Indikation gestellt werden kann und gute Heilungschancen bestehen:

  • Eindeutige Identifizierung des verantwortlichen Allergens (oder der verantwortlichen Allergene) mit Hilfe von Allergentests
  • Maßnahmen zur Vermeidung des verantwortlichen Allergenes sind schwierig durchzuführen oder unwirksam (zum Beispiel bei Pollen)
  • Es liegen Beschwerden vor, die auf eine korrekt befolgte medikamentöse Therapie nicht ansprechen
  • Der Patient ist motiviert und in der Lage, sich für eine Dauer von mindestens 3 Jahren strikt an einen Therapieplan zu halten.

 

Im Hinblick auf die Krankheitsbilder sind die häufigsten Anwendungsgebiete die allergische Rhinokonjunktivitis (Rhinitis + Konjunktivitis), das allergische Asthma und die Überempfindlichkeit gegen Hymenopterengifte (Insektengiftallergie gegen Stiche von Bienen, Wespen und Hornissen).[1] 

Am günstigsten ist es, wenn die Sensibilisierung erst vor kurzem aufgetreten ist, sich nur gegen ein einziges Allergen richtet (mehrfachsensibilisierte Patienten sprechen weniger gut auf die Behandlung an) und eine Behandlung mit einem standardisierten Allergenextrakt möglich ist. Ein Allergen wird als standardisiert bezeichnet, wenn es dafür Lösungen mit möglichst gleichbleibender Allergenzusammensetzung und -stärke gibt. Dank intensiver Forschungsarbeiten und der Durchführung mehrerer wissenschaftlicher Studien sind heute bereits zahlreiche Allergenextrakte standardisiert (Milben, Pollen, Insektengifte usw.)

*: Definition im Glossar

 

 

Woher weiß ich, dass die Hyposensibilisierung wirksam ist?

Auch wenn die Hyposensibilisierung nicht in allen Fällen zu einer 100%igen Heilung führt, zeigt sie doch in vielen Fällen ausgezeichnete Ergebnisse.

  • Bei der Insektengiftallergie ist die Erfolgsquote beachtlich (80% bei Bienen und 95% bei Wespen)
  • Auch bei den für die allergische Rhinitis und das allergische Asthma am häufigsten verantwortlichen Allergenen (Milben, Pollen, Katzenhaare usw.) ist der Erfolg der Hyposensibilisierung gut.

 
Die Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie wird vom Allergologen anhand verschiedener Kriterien beurteilt. Die wichtigsten Kriterien sind:

  • Besserung der Symptome
  • Abnahme des Bedarfs an Medikamenten zur Symptombekämpfung

 

Im Hinblick auf diese beiden Kriterien ist im Allgemeinen während des ersten Behandlungsjahres oder - bei einer saisonalen Allergie - in der folgenden Pollensaison mit einer Besserung zu rechnen. Wenn sich nach 9 Monaten oder nach 2 Pollensaisonen hintereinander kein Erfolg zeigt, kann der Allergologe eine neue allergologische Abklärung durchführen und entscheiden, ob die Hyposensibilisierungsbehandlung fortgesetzt wird oder nicht.

Die Schlüssel zum Erfolg
Für den Erfolg einer Hyposensibilisierung sind mehrere Faktoren entscheidend. Einer dieser entscheidenden Faktoren ist das genaue Einhalten des Therapieplans durch den Patienten. Einige Vorsichtsmaßnahmen und praktische Ratschläge können eine wertvolle Hilfe sein, damit die Hyposensibilisierungsbehandlung erfolgreich abläuft.

[1] Bousquet J, Lockey R, Malling H.J. Immunothérapie des allergènes : traitement vaccinal des maladies allergiques. Texte d'actualisation de l'OMS. Rev Fr Allergol Immunol Clin, 1999; 39(5): 385-444