Nur der Allergologe bzw. der allergologisch erfahrene Arzt sollte eine ärztliche Verordnung ausstellen und die Behandlung durchführen, da für die Hyposensibilisierung gute Kenntnisse über Allergie erforderlich sind. Die Behandlung dauert längere Zeit (3 bis 5 Jahre) und besteht aus mehreren Schritten.
Die Allergenextrakte können über zwei Verabreichungswege gegeben werden:
- als subkutane Injektion (das heißt direkt unter die Haut gespritzt)
- als sublinguale Therapie (unter die Zunge dosierte Tropfen)
Der Allergologe verordnet langsam steigende Dosen desjenigen Allergens, das sich für die allergischen Erscheinungen als verantwortlich herausgestellt hat, damit der Körper sich daran gewöhnt und nicht mehr (bzw. schwächer) darauf reagiert. Diese Behandlung läuft in 2 aufeinanderfolgenden Phasen ab:
- Steigerungsphase, in der die Allergendosis allmählich gesteigert wird
- Erhaltungsphase, in der die maximal verträgliche Dosis über längere Zeit verabreicht wird.
Damit eine Immuntherapie erfolgreich ist, muss der Allergologe einige allgemeine Kriterien berücksichtigen, damit eine Indikation gestellt werden kann und gute Heilungschancen bestehen:
Im Hinblick auf die Krankheitsbilder sind die häufigsten Anwendungsgebiete die allergische Rhinokonjunktivitis (Rhinitis + Konjunktivitis), das allergische Asthma und die Überempfindlichkeit gegen Hymenopterengifte (Insektengiftallergie gegen Stiche von Bienen, Wespen und Hornissen).[1]
Am günstigsten ist es, wenn die Sensibilisierung erst vor kurzem aufgetreten ist, sich nur gegen ein einziges Allergen richtet (mehrfachsensibilisierte Patienten sprechen weniger gut auf die Behandlung an) und eine Behandlung mit einem standardisierten Allergenextrakt möglich ist. Ein Allergen wird als standardisiert bezeichnet, wenn es dafür Lösungen mit möglichst gleichbleibender Allergenzusammensetzung und -stärke gibt. Dank intensiver Forschungsarbeiten und der Durchführung mehrerer wissenschaftlicher Studien sind heute bereits zahlreiche Allergenextrakte standardisiert (Milben, Pollen, Insektengifte usw.)
*: Definition im Glossar
Auch wenn die Hyposensibilisierung nicht in allen Fällen zu einer 100%igen Heilung führt, zeigt sie doch in vielen Fällen ausgezeichnete Ergebnisse.
Die Wirksamkeit der spezifischen Immuntherapie wird vom Allergologen anhand verschiedener Kriterien beurteilt. Die wichtigsten Kriterien sind:
Im Hinblick auf diese beiden Kriterien ist im Allgemeinen während des ersten Behandlungsjahres oder - bei einer saisonalen Allergie - in der folgenden Pollensaison mit einer Besserung zu rechnen. Wenn sich nach 9 Monaten oder nach 2 Pollensaisonen hintereinander kein Erfolg zeigt, kann der Allergologe eine neue allergologische Abklärung durchführen und entscheiden, ob die Hyposensibilisierungsbehandlung fortgesetzt wird oder nicht.
Die Schlüssel zum Erfolg
Für den Erfolg einer Hyposensibilisierung sind mehrere Faktoren entscheidend. Einer dieser entscheidenden Faktoren ist das genaue Einhalten des Therapieplans durch den Patienten. Einige Vorsichtsmaßnahmen und praktische Ratschläge können eine wertvolle Hilfe sein, damit die Hyposensibilisierungsbehandlung erfolgreich abläuft.
[1] Bousquet J, Lockey R, Malling H.J. Immunothérapie des allergènes : traitement vaccinal des maladies allergiques. Texte d'actualisation de l'OMS. Rev Fr Allergol Immunol Clin, 1999; 39(5): 385-444